Nationaltheater Radu Stanca Sibiu

Nationaltheater Radu Stanca

Geschichte

1788 gründete Martin Hochmeister das erste Theater in Hermannstadt, indem er den zur Befestigungsanlage der Stadt gehörenden Dicken Turm in ein Theatergebäude umwandelte. Hier wurden mit beneidenswerter Beständigkeit Shakespeare und Molière gespielt, Stücke der Aufklärer, der deutschen Romantik, alle in den Chroniken eines „Wochenblatts” verzeichnet. Die ersten theatralischen Ereignisse in Hermannstadt wurden jedoch bereits im Jahr 1582 urkundig erwähnt. Mit der Unterstützung der Gildenvereinigung wurde auf dem Großen Ring eine bewegliche Bühne erbaut, ein Meisterwerk der Technik jener Zeit, auf der die „Mittelalterlichen Mysterien” gespielt wurden. Den ersten Vorhang eines Theaters, das vor 428 Jahren gegründet wurde und der sich in bestem Zustand erhalten hat, kann man heutzutage noch im Brukenthalmuseum bewundern.

Faust

Das Nationaltheater „Radu Stanca” ist das wichtigste Theater in Rumänien und eines der aktivsten europaweit. Repertoiretheater mit festem Ensemble, das aus einer rumänischen und einer deutschen Abteilung besteht, bietet die Einrichtung Vorstellungen in den beiden Sprachen und hat unzählige internationale Koproduktionen auf dem Spielplan. Radu Stanca, dessen Name die Institution trägt, war eine vielseitige Persönlichkeit, die das Hermannstädter Theater und insgesamt das Kulturleben der Stadt prägte. Er war Dramatiker, Dichter, Regisseur und ein großer Freund der deutschen Kultur und starb im Alter von nur 42 Jahren.

 

Tätigkeit

OthelloDas Nationaltheater „Radu Stanca” ist Fortsetzer einer Theatertradition in Hermannstadt und Umgebung, die sich über fast fünfhundert Jahre erstreckt. In Zusammenarbeit mit dem Internationalen Theaterfestival Hermannstadt gelang der Einrichtung die einmalige Leistung, den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2007“ für Hermannstadt zu erhalten. Das Nationaltheater „Radu Stanca“ hat mehr als vierzig unterschiedliche Inszenierungen im Repertoire, von antiken Tragödien bis hin zu den innovativsten Experimenten des XXI. Jahrhunderts, und arbeitet mit den wichtigsten rumänischen und europäischen Spielleitern zusammen: Silviu Purcărete, Andrei Şerban, Andriy Zholdak, Mihai Măniuţiu, Tompa Gabor, Alexandru Dabija, Claire Dancoisne, Charles Muller, Yuriy Kordonskiy, Radu Alexandru Nica, Robert Raponja usw. Die Produktionen des Nationaltheaters „Radu Stanca“ wurden zu den wichtigsten Festivals der Welt eingeladen, so nach: Edinburgh, Avignon, Brüssel, Rom, Tokyo, Seoul, Sankt Petersburg, Moskau, Neapel, Paris, Merida, Liverpool, London, Budapest, Tampere, Posen, Warschau, Köln, Freiburg, Barcelona, Lisabon, Porto, Kairo, Yerevan, Tbilisi, Neutra, Athen, Thessaloniki, Belgrad, Warna usw.

 

Ein Pol kultureller Entwicklung

PescarusulDas Nationaltheater „Radu Stanca“ ist, zusammen mit dem Internationalen Theaterfestival Gründer der Hermannstädter Theaterbörse (die einzige ihrer Art in Mittel- und Südosteuropa), der Theaterhochschule sowie der Kulturmanagementhochschule im Rahmen der „Lucian Blaga“ Universität Hermannstadt, sodass es zu einer der wichtigsten Plattformen für Kreativität, Dialog und Mobilität der Künstler in der ganzen Welt zählt.

Allen gegenwärtigen Herausforderungen entgegenkommend sind die Inszenierungen des Nationaltheaters „Radu Stanca“ bemüht, die Verschiedenartigkeit in den gegenwärtigen Tendenzen der darstellenden Künste, von der Tradition, vom Wort und Bild bis hin zu Installation, Tanztheater, Musicals usw. zu widerspiegeln.

 

Internationale Projekte

Die internationale Berufung des Theaters konkretisiert sich nicht nur im Tourneenbetrieb, sondern auch in einer Vielzahl an Koproduktionen mit kulturellen Strukturen aus der ganzen Welt. Dabei erhielten die Inszenierungen, die Spielleiter sowie die Schauspieler und Mitarbeiter des Nationaltheaters „Radu Stanca“ zahlreiche nationale und internationale Preise.Sfarsit de partida

Beginnend mit dem Jahr 2000 wurde dem Nationaltheater „Radu Stanca“ der Weg für nationale und internationale Projekte freigemacht. Berühmte Spielleiter aus Rumänien und aus dem Ausland wurden nach Hermannstadt eingeladen. Das Resultat dieser Zusammenarbeit besteht aus Inszenierungen von hohem künstlerischen Niveau: Lulu von Frank Wedekind, Hamlet von William Shakespeare, Faust von J. W. Goethe, Die Jüdische Trilogie (mit den Produktionen Das Experiment Ijob nach Ijobs Buch,  Ekklesiastes nach der Bibel und Shoah. Primo Levis Version nach Interviews mit Primo Levi), Das Leben mit einem Idioten von Viktor Erofeew, Das Ballhaus nach einer Idee des Théâtre de Compagnol,  Die Möwe von A. P. Tschechow, Othello von W. Shakespeare, Elektra nach Sophokles und Euripides, Der Idiot von F. M. Dostojewski, Warten auf Godot von S. Beckett, Figaros Hochzeit von Beaumarchais, Pilawgerichte und Eselparfüm nach der Märchensammlung Tausendundeine Nacht, Des Lebens Herrlichkeit von Giuseppe Berto, Eine stürmische Nacht von I. L. Caragiale, Die Tratschtanten von Al. Kiriţescu, Pantagruels Schwägerin  nach dem Werk von Rabelais, Ich, Rodin von Patrick Roegiers, Die Perser von Aischylos, Rusalka von Antonin Dvorak, Nora von H. Ibsen usw.

 

Preise

Im Jahr 2003 wurde das Nationaltheater „Radu Stanca“ als das beste Theater des Landes anerkannt: Die Inszenierung Othello erhielt den UNITER-Preis (Preis des Rumänischen Theaterverbandes) für die beste Inszenierung der Spielzeit. 2005 wurde dem Spielleiter Radu Alexandru Nica der UNITER-Preis für Debüt für die Inszenierung Nora verliehen. Ferner wurde im Jahr 2008 Ofelia Popii mit dem UNITER-Preis für die beste weibliche Hauptrolle für die Rolle Mephisto aus der Megaproduktion Faust (Regie Silviu Purcărete) ausgezeichnet. Ebenfalls im Jahr 2008 erhielt das Nationaltheater „Radu Stanca“ Hermannstadt den Preis für die beste Dramaturgie und die beste Montage (Mihai Măniuţiu) sowie für die beste weibliche Hauptrolle (Mariana Presecan) beim Klassischen Theaterfestival in Merida, Spanien, wo es die Produktion Elektra nach Sophokles und Euripides (Regie Mihai Măniuţiu) präsentierte. Ferner erhielt Pantagruels Schwägerin (Regie Silviu Purcărete) den Preis für die beste Inszenierung beim Festival ExPonto in Ljubljana, Slowenien.

Im August 2009 erfuhr das Nationaltheater „Radu Stanca“ Hermannstadt einen Riesenerfolg beim Edinburgh International Festival, wo es fünf ausverkaufte Aufführungen der Inszenierung Faust, nach Johann Wolfgang von Goethe (Spielleitung Silviu Purcărete) bot. Bei dieser Gelegenheit wurde der Schauspielerin Ofelia Popii der  Herald Angel Preis für die beste Darstellerin verliehen.

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